Das Symphonische Blasorchester

Das Symphonische Blasorchester
  • Gegründet 1978 als "Nachwuchstruppe" der Volkacher Stadtkapelle
  • Seit 1998 unter dem Namen "Symphonisches Blasorchester"
  • 2000 erstmals in der Höchststufe zum Wertungsspiel angetreten
  • Derzeit ca. 65 Mitglieder
  • Dirigent: Prof. Ernst Oestreicher

Die Geschichte der Volkacher Orchester...

Musik in Volkach hat eine lange Tradition. Erste Aufzeichnungen, in denen von Turmbläsern die Rede war, gehen bis ans Ende des 19. Jahrhunderts zurück.

Mit dem 1. Fränkischen Weinfest in Volkach 1949 beginnt auch die Ära der "Stadtkapelle Volkach". Heinrich Schlier, ein Mann der 1. Stunde, war es letztendlich, der bereits 1959 den Grundstock für das heutige Symphonische Blasorchester legte. Er baute damals eine Nachwuchstruppe auf, die langsam aber sicher in die Stadtkapelle hineinwuchs und diese schließlich übernahm. Diese junge, motivierte Mannschaft um Werner Dinkel herum rührte 1977 die Werbetrommel, um wiederum Musikernachwuchs heranzuziehen. Zu diesem Zweck fand am 13.12.1977 ein "Ausprobierabend" im Pfarrheim statt, an dem sich jeder von uns Lernwilligen an seinem Lieblingsinstrument versuchen durfte. Zahnstellungen wurden überprüft, Unentschlossene überzeugt und nicht so bekannte Instrumente wurden uns schmackhaft gemacht (die Besetzung sollte ja passen). Und schon Weihnachten lagen die ersten Instrumente unter dem Christbaum.

So konnten ab Januar 1978 ungefähr 40 Kinder und Jugendliche durch aktive Stadtkapellenmusiker in deren Proberaum und in den Räumen des Pfarrheims Volkach ausgebildet werden. Noch im gleichen Jahr konnten wir "Jungmusiker" unter der Leitung von Werner Dinkel Weihnachtslieder auf dem Marktplatz zum Besten geben. Der Faschingszug 1979 war unser nächster großer Auftritt. Da wir des Marschierens nicht mächtig waren, setzte man uns kurzerhand auf zwei Anhänger. Mit dem Dirigenten dazwischen erwies sich dies jedoch nicht als optimale Lösung und so brachte man uns, rechtzeitig zum Weinfest im August, in harter und intensiver Probenarbeit das Marschieren bei. Da es nicht möglich war, so viele Anfänger auf einmal in die Stadtkapelle zu integrieren, musste ein Dirigent her, der uns als eigenständiges Jugendblasorchester führte. Werner Erhard übernahm diese Aufgabe und so konnten erstmals wöchentliche Proben stattfinden. Als dieser uns bereits ein Jahr später aus beruflichen Gründen verlassen musste, übernahm Armin Fischer-Thomann 1980 die ca. 40 Mann starke Truppe. Mit der Zeit war - wie auch in anderen Vereinen - bei uns ein gewisser Abwärtstrend zu verzeichnen. Manche Musiker zog es in ihre örtliche Dorfkapelle, andere mussten aus beruflichen Gründen ausscheiden. Übrig blieben jedenfalls 19 Musikbegeisterte, als 1983 auch Herr Fischer-Thomann beruflich bedingt die Mainschleife verlassen musste. Doch wie sollte es jetzt weitergehen?

Kurzentschlossen nahmen wir unser Schicksal selbst in die Hand. Wir mobilisierten unsere Eltern und alles, was sonst noch Einfluss nehmen konnte und erreichten, dass sich ein Gremium aus Stadtkapelle und Stadtverwaltung bildete, das schließlich einen Weg aus dem Dilemma fand. Retter in der Not wurde Oskar Schwab, der den fast versunkenen Kahn wieder flott machen sollte. Für die organisatorischen Belange wurde ihm der Stadtkapellenmusiker Gerhard Gabrisch zur Seite gestellt.

Mit viel Idealismus und Liebe zur Musik stachen wir also im Herbst 1983 unter dem Motto "Frischer Wind mit Käpt´n Oskar" in See, es sollte flott voran gehen. Der Fortschritt war nicht nur auf musikalischer Ebene zu verzeichnen, sondern ganz besonders in kameradschaftlicher Hinsicht ging es steil bergauf. Der gemeinschaftliche Probenausklang in gemütlicher Runde wurde zur lieben Gewohnheit; Ausflüge, Grillabende und Sitzungen am Schwab'schen Kachelofen stärkten unsere Gemeinschaft. Mit unserem steigenden musikalischen Niveau wuchs auch die Musikeranzahl wieder. So konnten wir relativ bald Querflöten, damals noch absolute Exoten, in unseren Reihen begrüßen. Auch Saxophone und Posaunen kamen hinzu.

Mit Gründung der Musikschule 1985 wurden Nachwuchsprobleme für uns zweitrangig. Um unser Erscheinungsbild auch optisch zu perfektionieren, schafften wir uns 1985 eine fränkische Tracht nach dem Vorbild der Stadtkapelle an. Finanzieren ließ sich dies jedoch nur durch vermehrte Auftritte bei Weinfesten, Marktplatz- und Kirchenkonzerten, wo wir hauptsächlich traditionelle Blasmusik zum Besten gaben. Ein Orchesteraustausch mit Musikanten aus Unterkirnach trieb unseren Gemeinschaftsgeist gehörig voran. Weil unsere Vorliebe aber der konzertanten Blasmusik galt, bestritten wir, nach unserem ersten Wertungsspiel 1981 in Hettstadt, 1987 unter Oskars Fittichen unser zweites Wertungsspiel in Unterpleichfeld (Mittelstufe, 1. Rang mit Auszeichnung). Bereits 1989 wagten wir uns in der Oberstufe aufs Parkett und wurden mit einem 1. Rang mit Auszeichnung belohnt.

Im September 1989 reichte Oskar Schwab den Dirigentenstab an Armin Stawitzki weiter. Mit diesem Dirigentenwechsel ging eine generelle Umstrukturierung einher.

Da immer mehr organisatorische Aufgaben anfielen, die nicht mehr von einer Person bewältigt werden konnten, wurde 1990 der Förderverein Jugendblasorchester Volkach e.V. unter dem 1. Vorsitzenden Lothar Engert ins Leben gerufen.

Der Orchesteraustausch mit Murnau war auch gleich die erste Bewährungsprobe des neuen Dirigenten. Ein Konzert jagte das andere, Weinfeste wollten gespielt werden - wir waren also gut beschäftigt. 1991 konnten für uns "Damen" Dirndl angeschafft werden. Durch stetigen Musikerzuwachs bekamen wir es im Laufe der Zeit wieder einmal mit einem altbekannten Problem zu tun: Jungmusiker aus der Musikschule konnten wegen des gehobenen Niveaus nicht mehr problemlos in das Jugendblasorchester integriert werden. Deshalb hob der Förderverein 1993 ein Nachwuchsorchester aus der Taufe. Diese Entwicklung kam dem Jugendblasorchester sehr zu Gute, da wir nun keine Rücksicht mehr auf Anfänger nehmen mussten und nur bereits "gereifte" Nachwuchsmusiker zu uns stoßen konnten. Wir spezialisierten uns mehr und mehr auf konzertante Blasmusik und traten 1995 erstmals nach dem Dirigentenwechsel wieder bei einem Wertungsspiel in der Oberstufe an.

Zweimal (1994 und 1996) fuhren wir für jeweils 9 Tage nach Spanien - Höhepunkte unserer Orchestergemeinschaft. 1997 konnten wir Aufnahmen für das ZDF Sonntagskonzert einspielen, was uns schließlich auf die Idee brachte, anlässlich unseres 20-jährigen Bestehens eine eigene CD zu produzieren.

Da aus den Jungen und Mädchen mittlerweile Männer und Frauen geworden waren, nahmen wir dieses Jubiläum zum Anlass uns 1998 in "Symphonisches Blasorchester der Musikschule der Stadt Volkach" umzubenennen.

Den Titel "Jugendblasorchester" reichten wir an unser Nachwuchsorchester weiter, welches damals schon zu einem harmonischen Klangkörper zusammengewachsen war. So konnte der Förderverein ab November 1998 ein neues Nachwuchsorchester einem ebenso neuem Dirigenten - Marco Plitzner - anvertrauen.

Zum Jahreswechsel 2004/2005 beendete Armin Stawitzki nach langjähriger und erfolgreicher Arbeit seine Dirigententätigkeit beim SBO. Beim Jahreskonzert 2004 überreichte er symbolisch den Taktstock an seinen Nachfolger Ernst Oestreicher.

Armin wird den Volkacher Blasorchestern aber weiterhin treu bleiben: Zusätzlich zum Jugendblasorchester dirigiert er nun auch das Nachwuchsorchester. Die Jugendarbeit der Volkacher Orchester liegt also in bewährten Händen!

Seither steht das Orchester unter der Leitung von Ernst Oestreicher. Zielsetzung dieser Formation ist es, Blasorchesterliteratur auf höchstem Niveau in einer möglichst optimalen Harmoniebesetzung zu spielen, sowie die Stadt und die Musikschule Volkach auf nationaler und internationaler Ebene zu repräsentieren.

Das Orchester besteht bis heute aus ca. 65 Mitgliedern und spielt in der Oberstufe. Herausragende Auftritte waren 2005 die musikalische Gestaltung des Festaktes zur Verleihung der PRO-MUSIKA-Plakette in Bad Kissingen, die jährlichen Serenaden auf dem Marktplatz in Volkach, die Konzerte in der Abteikirche in Münsterschwarzach 2007 und 2009, die Reisen nach Meran zum Landesmusikfest der Südtiroler Blaskapellen 2005 und London 2007, die Gestaltung der Feuerwerksmusik 2008 im Rahmen der Europatage der Musik in Volkach und die CD-Produktion "Volkach Trilogie". Im Jahr 2009 nahmen wir beim Internationalen "Flicorno d´oro" in Riva del Garda in der 1. Kategorie erstmals an einem internationalen Blasorchesterwettbewerb teil und platzierten uns großartig.


Im August 2010 waren wir vier Tage lang Gast im Studio 1 des Bayerischen Rundfunks in München, um unter Tonmeister Reinhard Kindl eine eigene CD einzuspielen.


2011 folgte die Fortsetzung und Fertigstellung dieser Aufnahme im Pfarrheim in Volkach. Weiterer Höhepunkt 2011 war unsere Konzertreise nach Kiel. Auf Einladung des Marinemusikkorps Ostsee durften wir uns auf der Kieler Woche musikalisch präsentieren.

 

2012 wagten wir uns erstmals am Oberstufenwettbewerb des Bayerischen Blasmusikverbandes teilzunehmen. Nachdem wir den Vorentscheid auf Verbandsebene gewonnen hatten, waren wir teilnahmeberechtigt gegen die Besten Bayerns beim Landesmusikfest in Weilheim anzutreten. 10 Orchester präsentierten das Pflichtstück „Voyage" von Satoshi Yagisawa und jeweils ein Selbstwahlstück. Am Ende des Tages war sich die international besetzte Jury einig. Das SBO setzte sich mit 483 von 500 Punkten gegen die ebenfalls hervorragend aufspielende Konkurrenz durch. Als Bayerischer Meister der Oberstufe kehrten wir nach Volkach zurück.

 

Zu Beginn des Jahres 2013 wurden wir, der amtierende Bayerische Meister der Oberstufe, zur Grünen Woche nach Berlin eingeladen. Wir durften die Eröffnung dieser Messe in der Bayernhalle mitgestalten und konnten auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Frankenlied begeistern. Daraufhin führten wir André Waigneins "Magnificat" in der Stadtpfarrkirche in Gerolzhofen auf, bevor wir im Mai 2013 unter der Leitung von Jungdirigent Manuel Scheuring zum Deutschen Wettbewerb in Chemnitz im Rahmen des Deutsch Musikfestes fuhren und dort in der Oberstufe einen großartigen dritten Platz erreichten. Auch stand ein weiteres Treffen mit der Bundeskanzlerin bei der Verabschiedung von MdB Michael Glos aus der Politik an, die wir musikalisch umrahmen durften.

 

Im Jahr 2014 fand nun wieder der Oberstufenwettbewerb des Bayerischen Blasmusikverbandes in Memmingen statt. Als Titelverteidiger fuhren wir natürlich mit der Absicht zu gewinnen dort hin. Neben sechs weiteren Oberstufenorchestern präsentierten wir das Pflichtstück „From Chrystals and Eagles" von Thomas Doss und unser Selbstwahlstück „By the River" von Jan van der Roost, was die fünfköpfige Jury mit hohen Punktzahlen würdigte. Mit insgesamt 477 von 500 möglichen Punkten setzten wir uns gegen die starke Konkurrenz durch und konnten den Wanderpokal abermals mit an die Mainschleife bringen. Außerdem dürfen wir nun den Titel "Bayerischer Meister in der Oberstufe" zwei weitere Jahre mit Stolz tragen.

 

Das Jahr 2015 hielt wieder einmal eine Fernsehaufnahme für uns bereit. Für die Sendung mit Blasmusik durch Bayern des BR, die allerdings erst im Sommer 2016 ausgestrahlt wurde, marschierten wir mit dem Frankenlied durch die Volkacher Altstadt. Außerdem entschieden wir uns in diesem Jahr nach den beiden Erfolgen beim Oberstufenwettbewerb den nächsten Schritt zu wagen und es in der Höchststufe zu versuchen. Deshalb nahmen wir am BwMusixx - einem Blasorchesterwettbewerb der Bundeswehr - in Balingen teil und konnten dort auch einen ersten Platz in der Höchststufe erspielen.

 

2016 begann mal wieder mit einer Fahrt zur Grünen Woche in Berlin: Hier durften wir wie auch schon 2013 die Bayernhalle musikalisch eröffnen. Auch die Serenade im wunderschönen Schlosspark in Kirchschönbach war ein Highlight dieses Jahres.

 

Auch das Jahr 2017 hielt einige Höhepunkte für uns bereit. Zunächst wurden wir von Heimatminister Dr. Markus Söder mit dem Bayerischen Heimatpreis ausgezeichnet, der damit unseren herausragenden Einsatz in der unterfränkischen Traditions- und Heimatpflege würdigte. Auch die nächste Ehrung ließ nicht lange auf sich warten: Der Bayerische Blasmusikverband lobte, dass wir nun 10 Jahre mit Auszeichnung an Wertungsspielen teilgenommen haben - als einziges Orchester in Bayern. Im Rahmen dieser Ehrung fand auch die Staffelübergabe für die Europatage der Musik statt, die 2019 wieder in Volkach stattfinden werden.